Vorbemerkung: Unser Marco H. ist für einige Wochen mit seiner Schwester nach Nepal entschwunden.
Er hat 9 Jahre seiner Jugend dort verbracht und spricht auch deren Sprache. Am letzten Sonntag hat er mir diese Email geschickt.
Die möchte ich euch nicht vorenthalten und setze sie hiermit in unsere Homepage.
Inzwischen ist er in     Kathmandu (Nepal) angekommen. Die Whatsapp-Verbindung zum Hotel klappte ausgezeichnet.
Er will uns auf dem Laufenden halten. Schaut mal ab und zu in diesen Beitrag.
Es ist doch interessant, wenn ein Kollege quasi als Insider aus diesem uns so fernen Land berichtet.
Euer Masters Dieter

---------------------- Email Nr. 1 von MarcoH.

Grüße Dich Dieter,
heute geht es los nach Kathmandu, wenn alles gut geht, kann ich Dir zwischendurch ein paar eMails senden.
Viel Spaß, gutes Training und Freude im Leben,
Dein Marco

Es ist kein Anzeichen von seelischer Gesundheit, sich an eine zutiefst gestörte Gesellschaft anpassen zu können.
(Jiddu      Krishnamurti 12.05.1895 - 17.02.1986)

 

---------------------- Email Nr. 2 von Marco H.


Ich habe heute einen wunderbaren Tag in     Bhagatapur  verbracht, der Stadt, die vom 12-15 Jhd. Die Hauptstadt von Nepal war und angeblich zu den 10 saubersten Städten gezählt hat.

Wir (meine Schwester und ich) haben heute     "Dal Bhat" (wie gestern) gegessen.

---------------------- Email Nr. 3 von Marco H.

Wir sind jetzt raus aus Kathmandu zum Nationalpark    Chitawan  und machen gerade kurz Rast.
Nach unendlichen Staus kamen wir dann endlich im sehr grünen, ruhigen Chitawan an.
Bevor wir losfuhren, musste noch der Reifen vom Bus gewechselt werden.
So viel chaotischen Verkehr wie in Kathmandu habe ich auf der ganzen Welt noch nie gesehen,
und dazu noch lautes Motorengeräusch, Hupen und viel Staub.
Ich bin total happy, diese Stadt endlich zu verlassen.
In ganz Nepal bereitest man sich auf das größte und fröhliche Fest des Jahres    Dashain  zu Ehren von Durga vor.
Besonders die Frauen tragen traditionelle Kleider bzw. Kostüme, transportieren Blumen, Bananenstengel, Jamara und Zuckerrohr.
Auf dem Weg zum Köngispalast tanzen sie in langen Menschenzügen den ganzen Weg über durch die Straße,
machen Musik mit Trommeln und Zimbeln und singen dazu religiöse Lieder.

Wir (meine Schwester und ich) haben heute     "Dal Bhat" (wie gestern) gegessen.

---------------------- Email Nr. 4 von Marco H.

Gestern waren wir den ganzen Tag bei Nepal-Freunden in Chitwan, zu Essen gab es natürlich wieder "Dal Bhat".
Unser älterer "Motor-Rickshaw"-Fahrer hatte zeitlebens keinen Führerschein abgelegt und so mussten wir leider über einen "Trampelpfad" durch den Dschungel heim fahren,
da abends die Straßenkontrollen entsprechend streng waren.
Heute am Sonntag war um 5:45 aufstehen angesagt, um im Dschungel frühzeitig wilde Tiere zu beobachten.
Der Park ist knapp 1000 qm groß.
Es ging auf dem Fluss mit starker Strömung los, eineinhalb Stunden in einem Einbaum. Hier wimmelte es nur so von Krokodilen.
Danach wechselten wir in unseren Jeep. An geeigneter Stelle verließen wir den Wagen und näherten uns riesigen, frei herum schwimmenden Nashörnern. Phytons und Tiger versteckten sich vor uns, aber auf dem Weg im Dschungel befielen uns ziemlich lange Blutegel.
Wie immer, gab es zum Abendbrot "Dal Bhat".
Morgen geht es ganz früh nach Pokhara, wo ich bis zum 15ten Lebensjahr aufgewachsen bin.

---------------------- Email Nr. 5 von Marco H.

Heute in der Früh ging es weiter nach Pokhara. Nach einer Stunde Fahrt musste unser Bus knapp 40 Minuten auf einen Gast warten, da dessen Bus einen Platten hatte. Grundsätzlich eine sehr soziale Einstellung, über die sich niemand der Insassen beschwert hat. Der Busfahrer fuhr wie um sein Leben, mit höchstmöglicher Geschwindigkeit in den engen Serpentinen bei vollem Gegenverkehr.
Eine kleine Überraschung erlebten wir in     Pokhara - wir hatten keine valide Adresse des gebuchten Apartments. Nach einigen Recherchen und Befragungen kamen wir sicher an´s Ziel. Dann wurde erst einmal kräftig eingekauft und von uns selbst "Dal Bhat“ gekocht.
Da morgen das größte Fest Nepals ist, wurde direkt vor unser Apartment-Türe ein Tier geschlachtet.
Seit einiger Zeit ist es zwar tagsüber trocken, jedoch Abends gehen gewaltige Gewitter durch die Stadt.

---------------------- Email Nr. 6 von Marco H.

Nachdem gestern Nacht alle Straßen durch die Monsum-Niederschläge fast wie kleine Flüsse waren, bin ich heute früh kurz nach 6:00 Uhr wieder aus dem Haus, um den Sonnenaufgang in     Phokhara am berühmten     Phewa-Lake zu genießen.
Im See wird morgens früh schon Wäsche gewaschen.
Überall sind nicht nur wunderschöne Frauen, sondern auch viele hübsche Blumen.

 ---------------------- Email Nr. 7 von Marco H.

Wer nicht am See oder Fluss lebt, wäscht zum Fest daheim im Hof seine Wäsche.

Nachmittags haben wir weitere "memory closed up". Da heute großer Festtag war, hat das Militär kostenlose Busse eingesetzt und die Nepalis haben uns zu einem Sitzplatz darin verholfen.
Wegen der extrem schlechten Straßen durch die zweitgrößte Stadt Nepals hatte man ein Ersatzrad im Bus befestigt.

Meine Eltern fuhren 1969 nach Nepal, um dort humanitären Dienst mit drei Kindern zu leisten. Nicht weiter erwähnt werden muss, dass solche Leistungen sehr gering honoriert wurden.
Meine Geschwister und ich verbrachten unsere Jugend dort, mit kleinen Unterbrechungen, bis zu meinem 15ten Lebensjahr.
Mein Vati baute dort mit und für die einheimischen Nepalis eine Schreinerei inkl. großer Maschinen, eine Autowerkstatt und eine Produktion von Hohlblocksteinen auf, die bis heutigen Tag weit über Pokhara bekannt geworden sind als "Pokhari Dunga", Steine aus Pokhara.
Nachdem mein Vati 2016 gestorben ist, sollte ich mich nun als sein Nachfolger präsentieren. Die notwendigen Maschinen wurden von Deutschland gespendet und per Schiff bzw. LKW dorthin transportiert. n dieser Werkstatt hatte ich selbst in meiner Jugend mit gearbeitet. Nach dem Aufbau wurde alles an die gut ausgebildeten Nepalis übergeben und wird bis heute weiter geführt - wenn seit einem Jahr auch in einer anderen Lokation.
Als Andenken an meinen Vati hatten meine Schwestern dort 2016 etwas von seinem Haar auf dem Gelände vergraben.

Manche Jeeps waren auch nicht mehr reparabel .
Hier stehe ich vor dem damaligen OP unseres Krankenhauses. Wenn der Strom ausgefallen war, haben die Ärzte mit Taschenlampe weiter operiert.
Ein weiterer Mitarbeiter im OP hatte eine Fliegenpatsche, um Fliegen und Moskitos möglichst minimal zu halten.
Hier weitere, alte "heilige Hallen", in denen bis zu 100 Patienten behandelt werden konnten.
Erbaut wurden diese Alu-Hallen (1953 bis ca. 1983) und da es in der Sonne stark reflektierte, wurde es "The Shining Hospital" genannt.

---------------------- Email Nr. 7 von Marco H.

Aufstehen um 5:30 Uhr scheint hier "normal" zu werden.
Wir brechen gleich mit dem Jeep nach      Tatopani, den heißen Quellen im Himalaja. Gestern früh war ich beim "Himalayan Barber Shop", da die Nepalesen meinten, ich würde immer mehr einem Affen gleichen.
Heute war ich wieder mit Freunden unterwegs zu dem berühmten     Davis Falls, wo ein reißender Fluss komplett unter der Stadt verschwindet.
Es ist wirklich ein wunderbares Gefühl, wieder bei den alten Freunden zu sein. Sie nehmen uns so übermäßig herzlich auf, dass mir die Tränen kommen und ich unglaublich glücklich bin. Der Zusammenhalt in den Familien ist extrem stark. Lieber vernachlässigt man den Job als die Familie. Viel spielt sich in der fischen Luft ab, zwischen Wohnung und Balkon. Gäste werden empfangen, die im sterben liegende Mutter wird gestreichelt und betreut, Essen wird gereicht.

---------------------- Email Nr. 8 von Marco H.

Nach 6 Std. turbulenter, allradgetrieber Jeepfahrt zum tiefsten Tal im Himalaja, kamen wir endlich von    Pokhara in     Tatopani auf 1160m an, den berühmtesten heißen Quellen hier im Lande. Die Bergwege waren so unwegsam, voller Erdrutsche und überschwemmt, dass ich dachte, der Jeep kippt um, fällt in eines der tiefen Flußtäler, an denen wir mit nur einigen cm. entlang fuhren, und der Fluß reißt uns in Stücke oder wir stoßen mit einem entgegenkommenden Fahrzeuge zusammen und müssen in den Bergen notbiwakieren.

Obwohl sehr durchgerüttelt von der Fahrt und alle Muskeln trainiert wurden, bin ich noch mit meinen Flip-Flops auf 1500 Höhenmeter einen der steilen Berge hochgewandert. Abends gab es, wie immer, Dal-Bhat zum Essen. Früher gab es hier keine Straße, meine Schwester ist alles in tagelangen Fußmärschen gewandert. Der Ort Tatopani liegt am rechten Ufer des    Kali Gandaki auf einer Höhe von 1160 m.

Von dem Ort Tatopani aus blickt man vom Tal direkt auf den schneebedeckten 7000er      Nilgiri. Der Nilgiri Nord besitzt eine Höhe von 7061m und befindet sich im Westen des Gebirgsmassivs     Annapurna Himal. Er bildet die höchste und nördlichste Erhebung einer Berggruppe, dem      Nilgiri Himal. Heute früh startete dann mein 60ster Geburtstag am 13.10.2019 um 5:45 Uhr mit Aufstehen und ab zum Baden in die heißen Quellen.

Als die anderen Gäste erfuhren, dass ich heute Geburtstag habe, sangen das ganze Becken "Happy birthday to you". Das war ein sehr bewegendes Erlebnis. Ich bin sehr, sehr glücklich hier in Nepal, mein Herz ist so sehr mit diesem Land und den Menschen hier verbunden

---------------------- Email Nr. 9 von Marco H.


Gerade ist mal wieder Stromausfall und nix geht mehr.
Gestern sind wir gut von Kathmandu nach Montali mit dem Jeep nach fast 6 stündiger Fahrt durch 1001 Schlaglöcher angekommen. Die 6 Minuten zum Flughafen Ramazap werden wir heute zu Fuß zurück legen. Nach dem üblichen Dal Bhat-Abendbrot sind wir im Dorf noch vermutlich ein letztes Bier trinken gegangen. Nachdem ich die Sprache Nepali inzwischen wieder recht gut spreche, haben wir uns so lange mit den ständig mehr werdenden Menschen unterhalten, bis die Polizei kam, da bereits "Ladenschluss" war. Anschließend haben mich noch ein paar Jugendliche zum Tanzen, auf den aktuellen nepalesischen Schlager, eingeladen. Da konnte ich mich nochmals richtig austoben.

Danach hat mein Freund "Dragos" noch mit einem türkischen Freund telefoniert, aber mein türkisch ist gerade total unter dem Nepali-Erdrutsch im Kopf begraben. Die Sonne ist bereits aufgegangen und das erste Flugzeug zum gefährlichsten Flughafen der Welt um 6:00 Uhr gestartet, während ich gemütlich meinen Tee geschlürft habe. Gleich sind wir dran, ich bin schon sehr aufgeregt.

Habe doch noch einmal WiFi bekommen. Die nepalesische Organisation am Flughafen war sehr, sehr langsam. Um 8:00 Uhr waren wir vor Ort für den nur 20 Minuten Flug, kamen aber sehr spät, um 14.00 Uhr, in Lukla an. Die Leute am Flughafen waren sehr nett und waren total begeistert, mit mir in Nepali zu reden. Dementsprechend sparsam fiel dann auch meine Sicherheitskontrolle aus. Das lustigste war, dass wir nach der Kontrolle wieder zurück im Dorf Getränke und Essen kaufen durften, ohne erneut kontrolliert zu werden. Was für eine lustige Show. Beim Einsteigen in das Flugzeug hat sich fast das gesamte Flughafen-Personal von mir verabschiedet und mir zu gewunken. Beim Flug in der winzigen Maschine mit ca. 12 Personen, ist mir ziemlich übel geworden und ich war nach den nur 20 Flugminuten absolut nass geschwitzt. In     Lukla ging die Tour dann los und wir sind sehr schnell gelaufen. Leider haben wir uns dadurch gegenseitig verloren. Ich hatte zum Schluss ziemliche Probleme mit der Akklimatisation an die Höhe: Mein Herz raste sehr schnell, mir war richtig schwindelig und ich hatte einige Schwierigkeiten beim Atmen. So bin ich jetzt wieder alleine - wie immer. Aber ich bin sehr glücklich und zur rechten Zeit am richtigen Platz. Man gab mir eine tolle und sehr günstige Unterkunft für unter € 2,00. Allerdings ist es hier schon sehr kalt, sodass ich mich tief in meinen Schlafsack kuscheln werde. Jetzt schlürfe ich noch meinen letzten nepalesischen Tschia im warm beheizten Aufenthaltsraum und verkrieche mich dann ins eiskalte Zimmer.

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