Aufgrund unterschiedlichen Gründen habe ich dieses Jahr keine große Etappenfahrt von A nach B geplant, sondern kurzerhand mich für eine Runde durch das Piemont und Seealpen entschieden. So konnte ich mich wieder mit meinen Freunden aus Cumiana treffen und bei Bedarf hätte ich die Tour einfacher abbrechen können. Doch zum Glück ist alles super verlaufen und ich bin gesund & munter wieder heimgekommen.
Übersicht
1. Etappe: Zugfahrt nach Lugano und mit Rad weiter nach Castelvecanna am Lago Maggiore
2. Etappe: Castelveccana - Asti
3. Etappe: Rundtour durch das Monferrato / Langhe
4. Etappe: Asti - Trofarello - Cumiana
5. Etappe: : Cumiana - St.Anna di Vinadio
7. Etappe: St.Martin - Col de la Cayolle (2326m) - Barcelonnette - St.Paul sur Ubaye
8. Etappe: St.Paul - Col de Vars (2110m) - Guillestre - Col dell'Agnello (2746m) - Sampeyre
10. Etappe: Cumiana - Col d'Arlaz (1031m) - St. Vincent
11. Etappe: St. Vincent - Col de Grand St. Bernard (2469m) - Liddes
12. Etappe: Liddes - Col des Champex (1495m)- Martigny - Les Agites (1558m) - Broc
13. Etappe: Broc - Bern / Zugfahrt nach Hause
1. Etappe: Lugano - Castelveccana am 18.06.2025 (47km / 350 hm)
Die Tour hatte ich ziemlich spät geplant und so waren alle Radplätze im Zug über den Brenner hoffnungslos ausgebucht. Als Alternative habe ich eine Anfahrt nach Lugano gefunden. Mit den IC ging es pünktich nach Stuttgart. Unsere deutsche Bahn wäre nicht die DB, wenn Sie nicht für tolle Überraschungen sorgt. Am Morgen noch die Verbindung gecheckt und alles läuft planmäßig. Ich steige in Stuttgart aus dem Zug und sehe an der Anzeige, dass der IC nach Zürich ausfällt. Rad - Reservierung futsch. Folgezug ausgebucht. 2h warten. Frech wie ich bin, probiere ich es dennoch mit den Folgezug und arrangiere mich mit einer anderen Radlerin, so dass wir uns den Stellplatz teilen. In Zürich kommt der IC mit 5 Minuten Verspätung an. Sprint zum anderen Bahnsteig. Kaum bin ich eingestiegen, pfeift der Schaffner und die Türen gehen zu. So komme ich mehr oder weniger pünkltich in Lugano zum Feierabendverkehr an.
Jetzt nur noch gute 30km bis zum Lago Maggiore. Zeit genug, um kleine Nebenstraßen auszuprobieren. Abends genieße ich dann meine Pizza an der Uferpromenade und erfreue mich am Sonnenuntergang.

2. Etappe: Castelveccana - Montegrosso Cinagio bei Asti am 19.06.2025 (191 km / 1320 hm)
Heute ist sozusagen eine Überführungsetappe. Irgendwie muss ich ins hüglige Moferrato südlich von Turin kommen und dabei die Po-Ebene durchqueren. Anfangs geht es noch mit einigen auf & ab entlang des Lago Maggiores und den kleineren Lago Monate und Lago Comabbaio, doch dann sehe ich nur noch lange gerade Straßen mit zahlreichen Getreide- und Reisfeldern links und rechts der Straße.

Auf den Reisfeldern tummeln sich neben den Reihern noch etliche andere Vogelarten, die mir nicht bekannt sind. Dennoch hübsch anzusehen.

Dann erhascht das Castello meine volle Aufmerksamkeit und ich übersehe das Schild "Strada Chiusa". Na ja, nicht wirklich. Welcher Radfahrer lässt sich schon von einen solchen Schild aufhalten! Irgendwie wird man schon durchkommnen. Doch diesmal hatte ich Pech. Brückenarbeiten und dann noch ein übelgelaunter Bauarbeiter, der stur darauf hinweist, dass doch Schilder die Sperrung angkündigt haben anstatt mich einfach durch den Bauzaun zu lotsen. Also 5km wieder zurück und doch die Umleitung nehmen. Grrr.

In Städtchen Vercelli gönne ich mir eine kurze Stadtrundfahrt bevor es in der Mittagshitze weitergeht.

Wieder geht es duch Reisfelder und diesmal erhasche ich einen Blick auf einen Traktor, der seinen Weg durch das Reisfeld bahnt. Der Luftdruck ist irrelevant - nur auf asphaltierten Straßen sind diese unbrauchbar. An manchen Feld-Zufahrten sind die immense Krater dauerhaft in der Straße eingedrückt.

Bald erreiche ich den Po. Nördlich vom Po ist alles brettl-eben und südlich schmiegen sich sofort das Hügelland an das Ufer. So geht es wieder mit einigen auf & aba in Richtung Asti. Eine nette Stadt, die man aber nicht wirklich besuchen muss. Die Temperaturen steigen. Bisher hat in Deutschland der Sommer noch auf sich warten lassen. Hier kommt er mit einer Wucht. Die angezeigten 41°C auf den Tacho zeigen die Temperatur in der Sonne. Tatsächlich wird es an die 35°C gehabt haben.

Mein Tagesziel ist das Agriturismo "Tre Tigli" auf deutsch Drei Linden, der auf einen Hügel liegt. Zum Schluss noch in der Mittagshitze eine steile Rampe zu erklimmen, lässt mir förmlich der Schweiß in die Schuhe laufen.
Ein Agriturismo ist typischerweise ein Bauernhof, mit angegliederten Restaurant bzw. Hotelbetrieb. Im Agriturismo müssen etliche Produkte aus eigener Herstellung kommen und sichern somit das Überleben der einheimischen Betriebe. Ich bevorzuge diese Art von Unterkunft in Italien, besonders wenn es um das Essen geht. Meist kann man nicht auswählen, was man essen will. Stattdessen muss offen für alle Speisen sein und so bin ich froh, dass ich kein reiner Vegetarier / Veganer, sondern ein Flexitarier bin. Hier die Galerie, der aufdeckten Speisen (wohlgemerkt nur für eine Person).



3. Etappe: Rundtour durch Monferato / Langhe am 20.06.2025 (143 km / 2375 hm)
Nachdem ich am Vortag quasi in der Mittagshitze gegrillt wurde, habe ich mich entschieden am folgenden Tag meine Rundtour schon früh am Morgen zu starten. Kaum das es hell ist, mache ich mich auf den Weg - Frühstück soll es erst um 8 Uhr gegeben, was eine Rückkehr in der Mittagshitze bedeuten würde - also starte ich nüchtern und frühstücke unterwegs.
Mit den Frühstart komme ich dann auch zum Genuss des Sonnenaufgangs (it. alba) über Asti.

Vorbei geht es an einer Garage, in der Fiats 500 gesammelt werden. Mittlerweile ein echtes Kult-Auto.

Ich verlasse das Monferrato und komme nach Canelli, wo der Likör Ramazotti produziert wird. Anschließend folgt das Hügelland "Langhe", wo bilderbuchmäßig über jeden Weinberg eine Kapelle oder Castello thront.

Im Langhe kann entweder ohne großen Anstiege die Bergrücken entlang fahren und dabei den Ausblick genießen oder man fährt einfach mal quer zu den Tälern. Jede Taldurchquerung bedeuten einen gute 300 Höhenmeter - von der Steilheit haben wir dann noch gar nicht gesprochen, denn teilweise sind die steilen Rampen richtige Entsafter für die Muskeln. Mit Restsaft im Körper komme ich nach Alba (ja - zu deutsch Sonnenaufgang), was das Zentrum vom Langhe darstellt. Hier hat der Konzern Ferrero seinen Stammsitz und entsprechend reich ist die Stadt. In den Geschäften werden Nüsse und Trüffel, sowie der lokale Wein (Barolo ist in der Nähe!) angeboten. Eine Stadt für Feinschmecker.
Nach kurzer Rast verlasse ich die Stadt und komme wieder zurück ins Monferrato, das ebenfalls bildhübsche Hügel zu bieten hat. Mein geplanter Schleichweg entpuppt sich als Feldweg, doch mit etwas Fahrgeschick komme ich auch problemlos durch die ein oder andere sandige Passage.

Irgendwie ging mein Zeitplan nicht auf - anscheinend werde ich mit jeden Lebensjahr ein bißchen langsamer. Anstatt mittags schon wieder im kühlen Zimmer zu ruhen, komme ich erst um 14:30 zurück. Die Hitze hat mich wieder eingeholt, aber es geht grad noch, da das Thermometer am Nachmittag noch weiter angestiegen ist.
Am Abend kommt mein Freund Pasquale und wir haben viel zu erzählen, da wir uns schon lange nicht mehr gesehen haben.
4. Etappe: Asti - Trofarello - Cumiana am 21.06.2025 (100km / 625 hm)
Am Morgen treffen wir uns im Nachbar - Dorf mit weiteren italienischen Freunden. Die einheimischen Radler finden wir ruhige Straßen, wo kaum Verkehr ist.

Unser nächstes Ziel heißt Trofarello südöstlich von Torino. Hier wohnt Artemio. Mit ihm habe ich tausende Kilometer absolviert. Leider hatte er einen Rad-Unfall und fährt seitdem nicht mehr Rennrad. Wir kehren in eine Bar ein und tauschen einige Neuigkeiten aus und beglückwünschen ihn zu seinem Enkelkind.
Hier auf den Marino, Giorgio, Artemio, Carmelo, Roland, Pasquale und Michele steht hinter der Kamera.

Unspektakulär führt uns die Route weiter nach Cumiana. Jedes Mal ist es ein erhabenes Gefühl, wenn man schon aus der Ferne den Hausberg "Tre Denti" erblickt. Hier trennen sich unsere Wege. Carmelo, Giorgio und Michele radeln 70km zurück nach Brandizzo (nördlich von Torino) und ich beziehe Quartier bei Pasquale.
5. Etappe: Cumiana - St. Anna di Vinadio am 22.06.2025 (139 km / 2045 hm)
Am nächsten Morgen treffen wir Davide, der schon stilecht auf uns an einer Kreuzung wartet.

Zusammen radeln wir flach durch die Po-Ebene nach Saluzzo.

Der Monte Viso grüßt uns aus der Ferne. Heute ist klares Wetter und die Sicht auf die Berg-Pyramide ausgezeichnet.

In Saluzzo gönnen wir uns was Süßes. Ein bißchen Dolce Vita muss sein - immerhin sind wir im Urlaub. Davide kehrt wieder zu seiner Familie zurück und Pasquale und ich fahren weiter in Richtung Cuneo.

Cuneo lassen wir links liegen und fahren nun in die Berge. Würden wir dieses Tal folgen, dann würden wir über den Colle delle Maddalena / Col de Larche nach Frankreich kommen. Zum Glück gibt es neben der Hauptstraße noch eine ruhige Nebenstraße, die ich schon im Jahr 2021 in umgekehrter Richtung geradelt bin (siehe damaligen Tourbericht).

In Vinadio verlassen wir den Nebenstrecke und schauen uns kurz das dortige Befestigungsanlagen an.

Dann sind die Flachpassagen Vergangenheit. Jetzt geht es mit den Anstieg hoch zum Col de la Lombarde richtig in die Berge. Dieser Pass ist ein kleines Sträßchen. Heute am Sonntag war auch leider einiger Freizeit-Verkehr unterwegs hoch zur Santuario St. Anna di Vinadio. Schöner wäre es, wenn die Pilger zu Fuß unterwegs sind. Dann würde diese auch einen Stein hier niederlegen und dafür gesegnet werden.

Bald sehen wir auch die Wallfahrtskirche am Berghang kleben. Nun ist es nicht mehr weit.

Nur noch ein paar Kehren beim Traumwetter und schon erreichen wir die Wallfahrtskirche.

Der Wallfahrtsort hat schon ein lange Historie. Schon vor über 1000 Jahren wurde die erste Holz-Kapelle auf über 2000 m erbaut. Die komplette Geschicht kann hier nachgelesen werden.

Im Inneren sind die Wände von allerlei Dankesbildern und -geschichten gespickt. Teilweise sind die Danksagungen schon sehr alt, aber auch einige sind nur wenige Monate jung.

Wir haben unser Quartier direkt überhalb der Wallfahrtskirche. Die Zimmer sind modern eingerichtet und die Verpflegung war ausgezeichnet. Wer mal über 2000 m übernachten will, der ist hier gut aufgehoben. Nachdem wir uns kurz frisch gemacht haben, wanderten wir noch kurz in die nähere Umgebung. Ein Denkmal mit allerlei verosteten Kriegutisilien erinnert an den letzten Weltkrieg.

Blick zurück auf das Santuario und das Tal, dass wir erklommen haben. Wer öfters in Italien ist, der kennt auch das Wasser St. Anna di Vinadio. Ja, die Quelle liegt direkt unterhalb vom Wallfahrtsort und das Wasser wird unten im Tal in Flaschen abgefüllt.

6. Etappe: St. Anna di Vinadio - St.Martin d'Entraunes am 23.06.2025 (136 km / 3227 hm)
Der nächste Tag begrüßt uns mit klaren Himmel. Eigentlich müsste man meinen, dass auf 2000 m Seehöhe die Temperaturen ziemlich in den Keller fallen, doch den war nicht so. Wir konnten direkt mit kurzer Hose starten. Nun liegt St. Anna auf der anderen Talseite von der Passstraße, so dass wir zunächst 200 hm abfahren müssen und doch eine Jacke anziehen müssen. Dann geht es wieder gute 500 hm hinauf zum Col de la Lombarde (2350m).

Trotz der frühen Stunde sind wir nicht allein auf der Passhöhe. Eine Moto-Gang wartet schon und schießt freundlicherweise auch ein Bild von uns zwei. Wir müssen uns nicht revanchieren, denn die Gruppe hat ein Stativ für ihr Smartphone dabei. Sachen gibt's!
Das Passschild ist beinahe vollkommen überklebt von diversen Motorrad - Clubs. Meiner Meinung ist dies auch eine Art von Vandalismus.

Mit den Überqueren der Passhöhe verlassen wir auch Italien und sind nun in Frankreich. Hinunter geht es zunächst in den Ski-Ort Isola 2000, das mit zahlreichen Liftanlagen umsäumt ist. Vom italienischen Tal bis zur Passhöhe und weiter bis nach Isola 2000 führt nur ein enges Sträßchen. Doch danach ist es eine breite Trasse mit weiten Kehren. Viel größer kann der Gegensatz nicht sein. Immer wieder sehen wir Andenken an der Tour de France in Form von Schildern, Grußtafeln, aufgebauten Rädern und Grafitities an den Stützmauern.

Nach 1500 Tiefenmetern mit rasanter Abfahrt kommen wir in Isola (Tal) an. Wir wollen Brot kaufen, aber im Ort ist schon alles verkauft. Hungrig müssen wir weiter und hoffen, dass nach 13km in der nächsten Ortschaft wir mehr Glück haben Hier gibt es eine kleine Epicerie mit einer jungen gelangweilten Verkäuferin. Man merkt, dass ihr der Job so gar keine Erfüllung gibt. Na immerhin gibt es frisches Baguette und wohlgestärkt nehmen wir den nächsten Anstieg hoch zum Col de la Couillole (1678m) in Angriff. Als besonderen Service gibt es wieder alle km ein Schild mit Anzeige der aktuellen Höhe und Durchschnittssteigung vom folgenden km.
In einer Kurve hängt, warum auch immer, rostiges Rennrad über der Brücke. So ohne Sattel ist es nicht mehr zu gebrauchen.

Hier ist im Jahr 2024 ebenfalls die Tour schon vorbeigekommen, wie man am Banner erkennen kann.

Vorbei geht es am Dörfchen Roubion. Leider haben wir nicht wirklich Zeit & Muse uns die Häuser und Gassen genauer anzuschauen. Eigentlich schade, denn da gibt es bestimmt einiges zu entdecken. Immerhin erfreuen wir uns am Blick, wie die Häuser am Steilhang kleben. (Nähere Infos zu Roubion).

Kurz vor Passhöhe gibt es etwas Street-Art. Einfach klasse.

Die Passhöhe ist zwar nur 1678 m hoch, doch der Anstieg hatte immerhin 1180m . Hier steht ein riesiges Radl. Mal etwas anderes als immer nur die tristen Pass-Schilder.

Nach kurzer Abfahrt geht es ebenso kurz (jeweils ca. 250 m Höhenunterschied = ein Anstieg in der Fränkischen Schweiz) hoch nach Valberg. Wieder ein Ski-Ort mit zahlreichen Hotels, Bars und Restaurants. Wir gönnen uns eine Dose Cola für 5 EUR. Puh - wer sparen will, muss wohl daheim bleiben.

Nach Valberg geht es 900 m bergab. Die warme Luft strömt uns entgegen. Der Fahrtwind kühlt gar nicht. Gefühlsmäßig meint man, dass man in einen Backofen fährt.

In Guillaumes erreichen wir die Talsohle. Nun beginnt der Anstieg zum Col de la Cayolle bzw. Col des Champs - für mich der schönste Anstieg in den Alpen. Gleich hinter Guillaumes begrüßen uns 3 Naturtunnel mit leicht geschwungener Straße.

Wir folgen den Anstieg für 12km / 260hm bis nach St. Martin d'Entraunes, wo wir Quartier beziehen. Zum Glück haben wir schon vorab alles gebucht, denn hier sind die Unterkünfte rar gesät.
Im Hotel entledige ich mein Gepäck und entschließe mich solo noch den Col des Champs zu fahren, der mir in meiner Pässe-Sammlung noch fehlt. Ein Blick auf das Regenradar: Oh, da kommt eine Regenwolke, aber es sollte zu schaffen sein. Entweder waren die Wolken schneller oder ich viel zu langsam. Fakt ist, dass ich bei 2/3 vom Anstieg in einen heftigen Regenschauer komme. Ich stelle mich kurz unter und nach 20 Minuten ist der Regen durch. Nun scheint die Sonne wieder.

Den Pass fahre ich ohne großen Verkehr hinauf. Scheinbar sind alle Radler, Motos und Autofahrer den Wetter geflüchtet. So ein ruhiger Pass macht noch viel mehr Spaß.

Kurz vor der Passhöhe entdecke ich folgende Video-Kamera. Dies ist keine Verkehrsüberwachung, sondern diese Kamera schießt Bilder von allen passierenden Verkehrsteilnehmern. Leider habe ich erst daheim die Webseite besucht, wo man die Bilder herunterladen kann, aber da war mein Bild schon wieder gelöscht. Hier der Link https://departement06.snapmyride.com/?id=262, falls jemand die Tour nachfährt und sein Bild sucht.
Hinweis: Im Department 06 / Frankreich gibt es noch weitere Shooting - Kameras. Immer schön lächeln und in die Kamera gucken, wenn ihr hier vorbeikommt: https://www.cols-connectes06.fr/consultez-les-photos.htm

Kurz nach der Kamera bin ich dann auch schon auf der Passhöhe vom Col des Champs (2087m). Komischerweise steht auf den Schild nur 2061m - egal wieder ein Pass über 2000m. In der Ferne sehe ich eine Schlechtwetter-Front auf mich zu kommen. Nix wie weg. Abfahrt und Regen = hohes Risiko, was ich nicht brauche. Ich spute mich und lasse das Rad einfach laufen. Der Donner hinter mir wird immer lauter. Leider führt mich eine Kehre wieder zurück in Richtung Gewitter und so bekomme ich doch noch einige Tropfen Regen ab. Doch bevor das Unwetter richtig losbricht, bin ich zum Glück längst im trockenen Hotelzimmer.

Am Abend gibt es einen richtigen Radfahrer-Wein. Das restliche Essen war so o-lala. Von wegen Essen wie Gott in Frankreich.

7. Etappe: St.Martin d'Entraunes - St.Paul sur Ubaye am 24.06.2025 (75 km / 1694 hm)
Neuer Tag - neues altes Wetter. Der Gewitterschauer ist Vergangenheit und der Himmel strahlt wieder stahlblau. Nun erklimmen wir den Col de la Cayolle, d.h. wir haben rund 20 km Steigung mit ca. 1300 hm vor uns. Doch die Auffahrt ist wie ein Film. Dauernd gibt es irgendwas interessantes zu sehen und da wir früh starten, lärmen die meisten noch Motorrad-Fahrer noch nicht.
Anfangs schlängelt sich das Sträßchen durch verschiedene Gesteins-Arten, was zu kontrastreichen Bildern führt.

Die Straße folgt den Tal über 15 km und immer wieder gibt es Rampen mit 10%. Man merkt gar nicht wirklich wie man Höhe gewinnt, doch mit einen Blick zurück liegen die Gipfel nicht mehr so oben.

Über eine weitere Kehre klettert man hoch zu einem Natur-Tunnel und dann liegt einem das Tal zu Füßen.

Nun schlängelt sich die Straße über eine Handvoll Kehren weiter nach oben und links und rechts pfeifen die Murmeltiere.

Den Anstieg bin ich im Jahr 2021 schon einmal gefahren (siehe Tourbericht, in welchen noch weitere Bilder vom Anstieg beim bewölkten Wetter zu finden sind).
Dieses Jahr bleibt es nicht nur beim Pfeifen. Ein Tier springt über die Straße und verschwindet dann auf der anderen Seite in seinem Bau.

Dann sind wir oben an der Passhöhe. Inzwischen ist auch der motorisierte Verkehr aufgewacht und so ist einiges los. Der Vorteil ist, dass jemand ein Foto von uns machen kann.

Nun steht die Abfahrt an. 30 km und nicht allzu steiles Gefälle, d.h. man kann es bequem rollen lassen. Die Nordseite ist ebenso schön wie die Südseite. Wir passieren etliche Schluchten, wo die Fahrbahn nur einspurig ist. Die Nordseite ist auf jeden Fall auch einen Ausflug wert.
Unsere Abfahrt endet in Barcelonnette, wo die Tour einen große Trinkflasche hinterlassen hat.

Barcelonnette ist ein chiques Städtchen mit schöner Fußgängerzone. Wir schaffen es, kurz vor der Mittagspause noch ein sehr gutes Brot zu kaufen. Nach unserer Brotzeit ist dann die Fußgängerzone menschenleer.

Heute ist eine kurze Etappe und wir fahren nur noch das Ubaye - Tal via Jausieres hoch. Würden wir den Tal weiter folgen, dann würden wir hoch zum Col della Maddalena / Larche und weiter nach Cuneo kommen. Doch wir biegen kurzerhand in den Anstieg vom Col de Vars ab. Allerdings fahren wir nur bis Saint Paul, wo die wirklichen Rampen vom Vars beginnen.

Wieder haben wir schon vorab reserviert, doch diesmal ist die kleine Pension etwas "weird". Die Besitzerin streicht (ja wirklich, so was mit Farbe) anscheinend noch unsere Zimmer und wir müssen warten. War gestern das Abendessen nicht berühmt, doch heute war es nochmal eine Stufe schlechter. Wir trösten uns, dass wir am nächsten Tag wieder in Italien essen.
8. Etappe: St.Paul sur Ubaye - Sampeyre am 25.06.2025 (107 km / 2666 hm)
Unser Frühstück wurde bereits am Abend vorbereitet und uns gezeigt, wo wir es finden. So kommen wir wirklich früh los und finden einen einsamen Anstieg vor. Heute ist es ein echter Kaltstart. Die Temperaturen waren in Ordnung, aber unmittelbar nach den Aufsteigen in den Sattel ohne Einrollen geht es in den Pass mit 8% Steigung. Uns wird es schnell warm, aber die klare Luft und das Panorama entschädigen sofort.
Hier ein Blick zurück nach St. Paul im Tal.

Blick zurück auf die letzte Kurve vor der Pass-Höhe.

Wir sind so früh am Scheitelpunkt, so dass der seitliche Bergrücken noch einen kalten Schatten auf die Pass-Höhe wirft. So bleiben wir einfach ein Stück vorher stehen und genießen unser zweites Frühstück.

Dann noch für jeden das obligatorische Bildchen mit den Pass-Schild (mal wieder von Motorrad-Vandalen mit Aufklebern ziemlich zugeklebt) ....

... und schon geht es bergab zunächst zum Refuge Napoleon und kurz danach in das Ski-Dorf Les Claux (Vars). Wieder völlig zugebaut mit modernen seelenlosen Gebäuden, wo man nicht lange bleiben will.

Wir verlassen kurz die Hauptstraße und fahren parallel einen kleinen Nebenweg, da wir von hier einen super Ausblick auf den Nationpark Ecrins haben.

Mit rasanter Fahrt geht es bergab bis nach Guillestre. Hier kaufen wir unsere Brotzeit ein, bevor es durch die Schlucht vom Queyras geht. Der Verkehr ist unerträglich. Massenweise Motorräder und Sportwägen. Welche ein Glück für uns, dass jene bald zum Col d'Izoard abbiegen. Nach der Abzweigung wird es merklich ruhiger und wir kommen am Chateau Queyras vorbei. Die Strecke ist für uns beide kein Neuland, denn wir sind diese bereits im Jahr 2011 gemeinsam gefahren (Tourbericht).

Nur noch 18 km bis zum Col dell'Agnello und Italien. Wir erinnern uns, dass wir damals einfach ein Tal hinaufgefahren sind. Zum Schluss noch ein paar Rampen und schon sind wir oben.

Doch so einfach wie damals, wird es dieses Jahr nicht. Vielleicht liegt es an den 14 Jahren, die wir älter geworden sind oder einfach an der Hitze. Auf 2056m zeigt mein Tacho 41°C in der Sonne an. Natürlich muss man noch x Grad abziehen, doch selbst wenn man großzügig 15 Kelvin abzieht, dann hat es noch 26°C. Über 25°C im Hochgebirge - war da irgendwas bezüglich Klimawandel?
Anfangs zieht sich die Straße noch mit gemütlichen 4-6 % am Bach entlang.

Später entpuppen sich die Rampen mit bis zu 11% Steigung etwas härter als erwartet. Unser Gepäck am Rad macht den Aufstieg auch nicht leichter.

Doch die Sicht ist genial. Hatten wir das letzte Mal mit Nebel zu kämpfen, so haben wir heute eine herrliche Fernsicht.


Endlich sind wir oben auf der Passhöhe, die auch die Grenze nach Italien darstellt. Mit 2744m ist der Col Agnel der dritthöchste Pass hinter den Iseran und Stilfser Joch

Steil fällt die enge Straße nach Italien ab. Der Belag ist ruppig und man ist gut beraten, immer wieder zu bremsen. Zu groß ist das Risiko durch eine Bodenwelle aus den Sattel geworfen zu werden.

Nach 9 km steile Abfahrt wird die Straße breiter und besser befahrbar. Schnell sausen wir hinab. Am Straßenrand passieren wir schöne alte Dörfer, wie hier mit den Col dell'Agnello im Hintergrund.

Meist sind die Häuser mit Steinplatten gedeckt. Mit den vielen Holzanbauten gibt es ein schönes Bild.

Kaum in unseren Agriturismo angekommen, bekommen wir schon einen Imbiss mit Salat serviert. Ebenso ist das Abendessen vorzüglich, da das Fleisch und Nudeln aus heimischer Produktion stammen. Am Abend Spaziergang entdecken wir dann noch einen Hirschkäfer an einem Baumstamm.

9. Etappe: Sampeyre - Cumiana am 26.06.2025 (103 km / 526 hm)
Von Sampeyre geht es anfangs noch etliche Kilometer weiter bergab, bevor wir wieder die Po-Ebene erreichen. Sind wir vor ein paar Tagen noch am Rand der Alpen in Richtung Süden gefahren, so wählen wir diesmal eine Route mehr im Inneren der Po-Ebene. Wir durchqueren den Fruchtgarten von Piemont. Eine Obstplantage neben der anderen. Es wachsen Äpfel, Pfirsiche, Aprikosen und mehr. Meist sind die kleinen Wirtschaftswege asphaltiert, aber hin & wieder mussten wir auch etwas durch den Staub.

Dann kommen wir wieder nach Saluzzo, aber diesmal ohne Stopp in der Pasticceria.

Mein Track fürht durch schöne kleine Nebenstraßen. Nur blöd, dass meine Karte nicht aktuell war, denn die Brücke über den Po war weggespült und wir mussten über das Rinnsal unsere Räder schieben.

Auch in Italien gibt es verlassene Eisenbahn-Trassen, die zu Radwegen umgebaut wurden. Allerdings sind an jeder Kreuzung gefährliche Poller aufgestellt, die schon den ein oder anderen Rad-Freund zum Fall gebracht haben. Eigentlich gehörten diese Pfosten abgeschafft.

Weiter geht es nach Pinerolo, die Provinz-Hauptstadt von Cumiana. Pinerolo war auch schon Etappenziel bei der Tour de France. Wie die Profis folgen wir deren letzten Anstieg, aber nehmen nicht wieder die Abfahrt ins Zentrum, sondern folgen der schönen Straße über den Bergkamm mit den epischen Name Costagrande
Nur noch ein paar Kilometer und wir sind wieder in Cumiana. Pasquale fragt mich, ob ich eigentlich schon den Palazzo von Francesco Camusso gesehen habe und spontan wollen wir ihn besuchen. Francesco Camusso hat 1931 den Giro d'Italia gewonnen und ist dadurch berühmt und reich geworden. Zudem ist der Namensgeber vom Radclub in Cumiana.
Francescos Tochter Irene empfängt uns herzlich und zeigt uns die Räumlichkeiten und die Hall of Fame mit all den Zeitungsausschnitten, Pokalen und Trikots. Leider existiert das Rad, mit welchen er den Giro 1931 gewonnen hat nicht mehr.


Nur noch ein Katzensprung bis zur Piazza von Cumiana und wir haben unsere Schleife gesund & munter absolviert. Nicht mal einen Platten hatten wir (was auch für die restlichen Etappen gilt). Für Pasquale war es ein Kurztrip für ein paar Tage und ich muss irgendwie schauen, dass ich wieder in Richtung Norden komme.

10. Etappe: Cumiana - St.Vincent am 27.06.2025 (150 km / 1573 hm)
Heute heißt es Abschied nehmen von meinen Freunden und das nächste Wiedersehen wird erst wieder in einem Jahr sein. Bei mir beginnt nun die Heimreise. Jede Pedalumdrehung bringt mich ein Stück weiter in Richtung Heimat. Doch zunächst besteht die Kunst darin den Großraum möglichst verkehrsarm zu durchqueren. Leider gibt es keine Fahrradschnellwege
Nach 40 km erreiche ich den Palazzo Reggia Reale, den königlichen Jagdschloss, dass mit den Beginn des 19. Jahrhunderts als Kaserne benutzt und nach den 2. Weltkrieg sich selbst überlassen wurde. Umfangreiche Renovierungsarbeiten ab 1999 brachten den alten Glanz zurück. Auf der offiziellen Homepage vom Schloss ist eine Video-Sequenz, die einen noch besseren Eindruck vermittelt als mein Bild.

Das sich der Palazzo noch im Stadtgebiet von Turin befindet, kann man an den öffenltichen Brunnen erkennen. Der Stier (it. toro) ist das Wappentier von Torino. (= kleiner Stier).

Endlich lässt der Verkehr nach und ich komme wieder über Felder. In der Ferne sehe ich die Wallfahrts-Kirche Superga, welche ich im COVID-Jahr 2020 besucht habe.

Hier nochmal näher an die Kirche eingezoomt. Weiter Bilder von der Wallfahrtskirche und den grandiosen Ausblick auf Turin finden sich im Tourbericht 2020-09 Piemont.

War bis jetzt der Verkehr die Herausforderung, so ist es nun die immer leicht ansteigende Gerade in die Berge. Über 5 km - keine Kurve - man meint, dass man nicht vom Fleck kommt.

Steter Tropfen höhlt den Stein und so komme ich in die Region Aosta, wo die Weinberge die typischen Säulen haben.

Kurzer Fotostopp an der Pont Saint Martin. Eine Römerbrücke aus den 1. Jahrhundert und die steht immer noch. Die Besonderheit ist die geringe Gewölbedicke, die meisten anderen römischen Brücken sind wesentlich dicker.

Das Aosta-Tal folge ich bis Verres, wo im Mai 2025 der Giro d'Italia die vorletzte und damit entscheidende Etappe gestartet wurde, in der Simon Yates den Mexikaner Isaac Del Toro das rosa Trikot abgeluchst hat und damit Gesamtsieger vom Giro 2025 wurde.

Meine Tour führt in entgegengesetzter Richtung bergauf. Eine Baustelle mit Ampel behindert den Verkehr. Entweder ist es menschenleer oder ein Fahrzeug nach den anderen zischt vorbei.

Über den Col d'Arlaz (1030 m) geht es zurück in das Aosta - Tal. Meine geplanter Track überraschte mich, dass ich während der Abfahrt in einen Schotterweg einbiegen soll. Nein, man muss nicht alles mitmachen und fahre stattdessen weiter in das Tal ab. So verliere ich kostbare Höhenmeter. Um wieder auf die Nebenstraße zu kommen müsste ich wieder bergauf fahren. Da ich keine Ahnung habe, wie lange der Anstieg ist, morgen wieder eine Bergetappe ansteht und meine Beine eine Grunderneuerung bräuchten, entscheide ich mich für die easy-peasy Talvariante an der Hauptstraße. Weniger schön und mehr Verkehr. Manchmal wäre so ein kleiner Motor wirklich nett.
In St. Vincent beziehe ich Quartier. Das örtliche Casino meide ich und investiere mein Geld lieber in ein anständiges Abendessen. Hier in Italien lasse ich es mir nochmal richtig gut gehen. Die Essens-Preise in der Schweiz sind jedenfalls deutlich höher.
11. Etappe: St.Vincent - Liddes am 28.06.2025 (102km / 2875 hm)
Die letzten Kilometer in Italien stehen heute an. Zunächst geht es das Aosta-Tal weiter bergauf. Anstatt der Hauptstraße wähle ich lieber den idyllischen Radweg entlang vom Fluss. Der Weg ist ziemlich kurvig und immer wieder kurze giftige Anstiege verhindern ein schnelles Vorankommen, aber darauf kommt es mir auch gar nicht an.

Der Radweg führt mich am Castello di Fenis (wieder schöne Video-Sequenz auf deren Homepag) vorbei. Ich denke, dass nächste Mal muss ich mehr Zeit einplanen und die Burg mal besichtigen.

Die Stadt Aosta besuche ich heute nicht. Stattdessen schlage ich eine Nebenstraße ein, die mich in Richtung Großen Sankt Bernhard bringt. Dann kippe ich fast aus den Latschen, denn meine Nebenstrecke endet plötzlich an einer Baustelle. Wo ist die Umleitung? Sie ist nicht wirklich erkennbar für mich. Vielleicht war diese schon viele km vorher ausgeschildert. Wenn man kleine Wirtschaftswege fährt, kann es schon mal passieren, dass man durchs Raster fällt. Doch ich habe Glück. Nach etwas Aufwand überwinde ich die Baustellen - Absperrung und heute ist Samstag, d.h. keine Arbeiten. Die halbe Straße ist abgerissen, aber mit den Rad kommt man problemlos vorbei.
Über traumhaft kleine Straßen erklimme ich etliche Höhenmeter, bevor ich bei Etroubles wieder auf die Hauptstraße muss. Hier ist der Durchgangs-Verkehr in die Schweiz echt knackig. Ich bin froh, dass ich nach 1 km Inhalieren sämtlicher Abgas- und Feinstaubwolken wieder auf eine Nebenstrecke ausweichen kann.
Am Berghang sieht man die überdachte Autostraße, die dann nur noch für den motorisierten Verkehr freigegeben ist und später durch den Scheiteltunnel führt. Ich muss, dann glücklicherweise nur noch für ein paar hundert Meter auf die Autostraße und dann zweigt die echte Pass-Straße ab.

Auf halber Höhe findet ein Oldtimer-Treffen von LKWs statt. Die Fahrzeuge sind super hergerichtet und wirklich nett anzuschauen. Aber die Abgaswolken vorher war auch nicht ohne.

Nun geht es mehr oder weniger ruhig weiter nach oben, abgesehen von den lärmenden und stinkenden Motorädern und den Konvoi irrer Engländer, auf ihren verkleideten Autos. (Highway - Police / Turtle - Mobile / Shark-Car etc.). Über einen weiten Bogen steigt die Straße hoch zum Pass.

Kurz vor der Pass-Höhe kommt mir ein Trupp Radfahrer entgegen. Viele Senioren mit Warnweste und immer schön gemächlich. In langer Schlange kullern sie hintereinander den Pass hinunter. Ein Bus hatte die Reisegruppe zuvor an der Pass-Höhe ausgeladen. Ich hoffe, dass alle gut angekommen sind. Ich hatte bei den Anblick Zweifel, ob alle sich das Risiko bewusst sind, dass auch Scheibenbremsen heißlaufen können, wenn man 1000 Höhenmeter dauernd in den Bremsen greift.

Auf der Passhöhe vom Großen Sankt Bernhard (2473m) herrscht Jubel, Trubel, Heiterkeit. Touristen - Nippes überall. Na wenigstens, werden keine echten Bernhardiner hier oben verramscht.

Mit Überschreiten der Passhöhe bin ich nun in der Schweiz. Schnell noch ein letzer Blick zurück nach Italien.

Ende Juni schaut es doch ganz anders aus, als Ende Mai. Hier ein Bild von meiner Tour 2023 über denselben Pass.

Die ersten 500 Höhenmeter kann ich noch die ruhige Pass-Straße hinuntersausen. Dann mündet man wieder in die Hauptstraße, die viele Kilometer in Lawinen-Galerien eingehaust ist. Ich bin froh, dass ich nun einfach hinter den Autos herrollen kann und sobald wie möglich biege ich wieder auf eine Nebenstraße ab. Nur ist diese gesperrt. Eine riesige Rutschbahn führt quer durch das Dorf und es herrscht Volks-Fest-Stimmung mit Live-Musik.

Mein Quartier beziehe ich in Liddes, wo ich tatsächlich ein Zimmer für 50 CHF gefunden habe. Ein echtes Schnäppchen. Einfach, aber sauber. Im Ort herrscht Schweizer Alpen-Idylle. Holz-Stadel, deren Balken auf blanken Felssteinen ruhen. Etliche urige Bauernhöfe und Häuser. Sogar zwei Lebensmittel - Märkte gibt es, deren junge Besitzer viel Freude am Verkauf haben (nicht so wie zuletzt in Frankreich). Selbst renovierungsbedürftige Häuser sind noch mit Blumen geschmückt. Schade, dass die meisten hier am Ort vorbeisausen.
In der örtlichen Käserei kaufe ich mir, wie schon im Jahr 2023 ein köstlichen Bergkäse für wenig Geld.

Am Abend gönne ich mir ein Käse-Fondue. Mehr Schweiz geht nicht.

12. Etappe: Liddes - Broc am 29.06.2025 (135 km / 2230 hm)
Am Sonntag Morgen ist der Verkehr auf den Gr. St. Bernado quasi nicht vorhanden und ich rolle 450 Tiefenmeter alleine die Straße hinunter. Dann verlasse ich die Hauptstraße und genieße die Morgen-Sonne im Aufstieg zum Col de Champex (1495m). Rund 600 Höhenmeter sind von der Südseite zu bewältigen. Ein schöner Roller-Berg, da die Steigung nicht zu steil ist. Zudem hat man immer einen herrlichen Ausblick zurück ins Tal und die Bewässerung der Wiesen läuft auf Hochtouren.
600 Höhenmeter heißt für mich ca. eine Stunde Aufstieg, dann kommt die Abfahrt wieder ins Tal der Dranse. Man hätte auch einfach die Hauptstraße folgen und den Col de Champex auslassen können. Im Nachhinein wäre dies auch keine schlechte Idee gewesen, denn die Abfahrt war grottenschlecht. Enge Straße, schlechter Belag, mit 9% ziemlich steil und dann noch einiger Ausflugsverkehr. Die Bremsen zeigen was sie können. Ich war froh, heil runtergekommen zu sein.

Martigny ist schnell hinter mir. Kein besonders sehenswerter Ort. Über kleine Nebenwege fahre ich das Rhone-Tal hinab. Na ja, von einem Gefälle merkt man nicht wirklich etwas - auf knapp 30km verliert man gerade mal 40 Höhenmeter. In Aigle verlasse ich das Rhone-Tal und folge den Ratschlag vom Thomas G., der mir den Pass Les Agites (1558m) empfohlen hat. Vielen Dank nochmals hierfür.
Anfangs fährt man quer durch die Weinberg und mag in der Ferne schon den Genfer See zu erblicken.

Der Anstieg liegt auf der Südseite und entsprechend legt sich die Hitze in den Hang. Da nun die Straße blöderweise noch ziemlich steil (eklige Rampen mit 9% ... 16% und einige wenige flachere Passagen - selten habe ich mich so über 5% gefreut) läuft bald der Schweiß in Strömen. Ich verfluche mein schweres Gepäck von ca. 7kg. Entweder liegt es, dass ich mehr als 20.000 Höhenmeter und 1300km in den Beinen habe oder das ich keine 30 mehr bin. Jedenfalls freue ich gewaltig, als ich mit einem grandiosen Ausblick auf den Genfer See belohnt werde.

Zudem soll erwähnt sein, dass der Aufstieg quasi autofrei ist, denn der Pass ist nur am Wochenende überquerbar, da auf der Bergseite eine Militär-Gelände beginnt, dass wochentags gesperrt ist.

Ein einspuriger Tunnel muss passiert werden, welcher im Wechsel für 15 Minuten freigegeben ist. Eine Beleuchtung gibt es natürlich auch nicht, aber Fenster in regelmäßigen Abständen sorgen dafür, dass man ihn auch ohne große Beleuchtung durchqueren kann.

Auf der Passhöhe gibt es diesmal keinen Trubel - nicht mal ein Wanderschild mit Höhenangabe, von einem Pass-Schild ganz zu schweigen. Das Panorama über die Alm und Blick über den Lac Leman entschädigen jedoch mehr als genug.

Über die Militär-Straße komme ich zum Lac de l'Hongrin, welcher das Oberbecken des Pump-Speicher-Kraftwerks Veytaux ist. An der Nordseite vom See führt eine kleine Straße das Tal hinunter in den Kanton Fribourg und perfekt für uns Radler ist sie für motorisierten Verkehr gesperrt. Leider ist der Belag nicht der beste, aber darüber will ich mich diesmal nicht beschweren.

Das Sträßchen führt durch Wald und grüne Wiesen. Da es nur diese eine Route gibt, brauche ich mein antikes Navi nicht wirklich.

Doch irgendwann endet auch die schönste Straße. In Montbovon komme ich auf eine Landstraße mit Auto an Auto. Scheinbar sind alle Städter aus Fribourg und Bulle auf den Rückweg. Zum Glück sind es "nur" 13 km und dann bin ich an meinen Etappenziel in Broc.
Beim Verdauungs-Spaziergang liegt die Burg Gruyere in der Abendsonne. Überall kleine Berg und geschwungene Hügel. Dieser Teil der Schweiz war mir bisher nicht bekannt. Ich denke, hier sollte ich nochmal herkommen, so hübsch ist hier die Landschaft.

13. Etappe: Broc - Bern am 30.06.2025 (66 km / 755 hm)
Eigentlich war geplant von Broc nur 30km weiter nach Fribourg zu radeln und dann in den Zug zu steigen. Doch diesmal macht mir die Schweizer Bahn einen Strich durch die Rechnung. Streckensperrung Fribourg - Bern mit Schienenersatzverkehr, der keine Räder mitnimmt. Zum Glück habe ich dies rechtzeitig bemerkt und starte entsprechend früher, so dass ich weitere 30km nach Bern radeln kann ohne meinen Zug zu verpassen.
Der Vorteil ist, dass man einen weiteren schönen Eindruck von der Schweiz bekommt.

In Giffers schockt mich dann ein Auto. Ich radel auf der Hauptstraße entlang und aus der Seitenstraße kommt ein Audi angefahren. Nachdem er recht forsch auf die Kreuzung zusteuert, weiche ich schon etwas in die Fahrbahnmitte aus. Dann plötzlich eine Vollbremsung mit quietschenden Reifen, der Fahrer ist über das Lenkrad gebeugt. Erst denke ich, dass er mich gerade noch gesehen hat. Erst später reime ich mir zusammen, dass der Fahrer gar nicht gebremst, sondern der Notbrems-Assistent die Eisen reingehauen hat. Dies würde auch erklären, warum der Fahrer sich umgehend entschuldigt hat. Vermutlich hat er sich auch einen besseren Wochenstart gewünscht.
Auf den weiteren Weg komme ich an einer Käserei vorbei und investiere meine restlichen Fränkli in den Käse-Automaten.

Schließlich komme ich nach Bern. Die Einfahrt in die Stadt war etwas komisch. Breite Straßen und kaum Autos. Auch die Innenstadt ist sehr ruhig. Ich habe noch Zeit und kann mir die Schweizer Hauptstadt noch etwas anschauen.

Doch irgendwie habe ich nicht das Gemüt, recht ausgiebig durch die Straßen zu schlendern. So bin ich frühzeitig am Bahnhof, an dessen Fassade und am Vorplatz kräftig Werbung für die Fußball-Frauen-EM gemacht wird.

Pünktlich fährt mein Zug in Bern ab und baut eine schöne Verspätung bis Karlsruhe auf. Hier wollte ich in den IC nach Erlangen einsteigen. Die Bahn hat kurzerhand entschieden, dass der IC erst in Stuttgart startet und so verdampft mein Zeitpuffer, den ich in Karlsruhe zum Einkaufen wollte. Stattdessen sitze ich im Regional-Express nach Stuttgart und erreiche einen Anschluss. Na immerhin, komme ich pünktlich in Erlangen an.
Ciao, bis zum nächsten Mal
Roland
Tourdaten
Etappenübersicht:
| Datum | Tag | Etappe | Distanz | Höhenmeter |
| 18.06.25 | Mittwoch | Anfahrt Bahnhof Erlangen → Zugfahrt → Lugano – Castelveccana | 47 km | 350 hm |
| 19.06.25 | Donnerstag | Castelveccana – Asti | 191 km | 1.620 hm |
| 20.06.25 | Freitag | Giro in Monferato & Langhe | 143 km | 2.375 hm |
| 21.06.25 | Samstag | Monferato – Cumiana | 100 km | 625 hm |
| 22.06.25 | Sonntag | Cumiana – Sant'Anna di Vinadio | 137 km | 2.300 hm |
| 23.06.25 | Montag | Vinadio – Col de la Lombarde - Guillaumes – St. Martin d'Entraunes + Col des Champs | 136 km | 3.227 hm |
| 24.06.25 | Dienstag | St. Martin d'Entraunes – Col de la Cayolle – St. Paul sur Ubaye | 75 km | 1.694 hm |
| 25.06.25 | Mittwoch | St. Paul sur Ubaye – Col de Vars – Barcelonnette – Col dell'Agenllo – Sampeyre | 107 km | 2.666 hm |
| 26.06.25 | Donnerstag | Sampeyre –Cumiana | 103 km | 526 hm |
| 27.06.25 | Freitag | Cumiana – Col d'Arlaz – St. Vincent | 150 km | 1.573 hm |
| 28.06.25 | Samstag | St.Vincent – Gr. St. Bernhard – Liddes | 102 km | 2.875 hm |
| 29.06.25 | Sonntag | Liddes – Col de Champex – Martigny – Col Les Agites – Broc | 135 km | 2.230 hm |
| 30.06.25 | Montag | Broc – Bern → Zugfahrt → Erlangen | 66 km | 755 hm |
| 1.417 km | 21.122 hm |
Route:
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